Wanderfahrttipps
Nach Abschluß der Grundausbildung, widmen sicher einige Fahrer dem Turniersport, der größere Teil aber wendet sich dem Wanderfahren zu.
Wanderfahren ist Fahren im Gelände, Reisen mit dem Pferd - von stundenweisen Ausfahrten bis zu Tagesfahrten, und oft auch bis zu mehrtägigen Fahrtouren.
Wanderfahren ist eine Weltanschauung, sagen die einen, Wanderfahren ist eine Leidenschaft,
sagen die anderen. Wir Wanderfahrer meinen, daß es nur unser Freizeitvergnügen sein soll. Ein Geselligkeitssport in der freien Natur, eine besondere Form der Freizeitgestaltung mit dem Pferd.
Wanderfahren ist aber nur dann schön und erholsam und für Pferd und Fahrer ein Vergnügen, wenn die wichtigsten Grundregeln gekannt und beachtet werden.
Dazu geben wir Ihnen einige Tipps, in der Reihenfolge wie so eine Wanderfahrt eben abläuft.
Vor der Fahrt
Vorraussetzungen:
Der Fahrer sollte mindestens die Sonderprüfung zum Bronz. Fahrabzeichen abgelegt haben und eine zweckmäßige Ausrüstung besitzen.
Tipp 1:
Das Mindestalter des Gespannlenkers muß gem. STVO 16 Jahre sein.
Das Wanderfahrpferd soll mindestens 5 Jahre sein. Neben der Grundausbildung im Dressurfahren müssen Wanderfahrpferde zusätzlich
- verkehrssicher sein
- Gewässer problemlos furten, über Brücken gehen
- Gräben, Böschungen und Erdwälle überwinden.
Das Gespann sollte den Lehrgang für "Wanderfahrer" absolviert haben.
Darüber hinaus ist für Wanderfahrpferde ein guter Konditionszustand unentbehrlich. Das Aufbautraining soll 4 bis 6 Wochen vorher einsetzen. Kondition ist das Ergebnis von Futter und Leistung. Eine
Haftpflichtversicherung und der aufrechte Impfschutz sind nachzuweisen.
Der Impfpaß (Tetanus, Grippe, Wutimpfung) ist mitzuführen, die Wagenpferde müssen entwurmt sein.
Die gesetzlichen Grundlagen für Reiter und Fahrer sind u. a. in der STVO 60, im Forstgesetz 1975. In der NÖ Reitordnung und in den Landesgesetzen zum Schutz von Feld und Flur enthalten.
Planung:
Zunächst werden anhand einer Landkarte die Halbtags- und Tagesziele festgelegt. Bei der Ermittlung der Kartenentfernung gilt die Faustregel, daß etwa 50 km je Tag, in Abhängigkeit von der Geländestruktur und Witterung, gefahren werden können.
Tip 2:
Das Stallverzeichnis "NÖ - Das Land der Reiter" erhalten Sie über den Landesfachverband für Reiten und Fahren in NÖ, Telefon 02236/712 35, FAX 02236/733 77. Ebenso die Termine für 3 - tägige "Wanderfahrerlehrgänge", diese sind im Internet oder in der Pferderevue (gelbe Seiten)
ausgeschrieben.
Tipp 3:
Die kartenentfernung wird am leichtesten mit einem Kartenrad ermittelt. Dabei sind folgenden Zuschläge hinzuzurechnen:
- im ebenen Gelände 20% - 30% ( z. B. Tullnerfeld)
- im welligen Gelände 50% (z.B. Waldviertel)
- im Bergland 100% (z.B. Alpenvorland).
Liegt die Teilnehmerzahl und der Termin fest, ist es zweckmäßig mit dem Auto eine
Erkundungstour zumachen. Dabei wird das Quartier für Roß und Reiter besichtigt, die notwendigen Futtermengen und der Einstellpreis mit dem Stallbesitzer abgesprochen.
Tipp 4:
Gebührenempfehlung des NÖ Landesfachverbandes für vorübergehende Pferdeunterbringung inkl. Streu und Rauhfutter bis ATS 150,- (Übernachtung).
Fahrerbesprechung:
Nach dem Erkunden der Quartiere setzt der Organisator einer Wanderfahrt die Fahrerbesprechung an. Es werden der Zeitplan, die Einzelausrüstung
(muß jeder Fahrer mitführen) sowie die Gemeinschaftsausrüstung (muß nur 1x in der Gruppe mitgeführt
werden) festgelegt und allfällige Fragen beantwortet.
Die Wanderfahrt
Nachdem wir die Vorbereitungen besprochen haben, fahren wir nun los und wünschen uns ein gutes Wetter. Einfache Verhaltensregeln sind während einer Fahrt zu beachten, damit die Wanderfahrt allen Teilnehmern zur Freude wird.
Tipp 5:
Die ersten zwei bis drei Kilometer nach der Nächtigung gehen wir immer im Schritt. Vor der Mittagsrast wird wieder 2 bis 3 km Schritt gegangen, damit die Pferde ruhig und ausgeglichen in den Stall kommen, wenn nötig, wird unmittelbar nach dem Aufstallen die Pferdedecke aufgelegt.
Tipp 6:
Das erste Pferd wird aus dem Stall geführt, wenn das letzte Pferd gezäumt ist. Damit wird jeglicher Unruhe vorgebeugt und die Beschädigung von Ausrüstungsgegenständen vermieden.
Tipp 7:
Bei Dunkelheit muß der Fahrer mit einer Lampe, die nach vorne mit einem weißen, nach rückwärts mit einem roten Licht leuchtet ausgerüstet sein. Die Sicherheit erhöhen überdies
reflektierende Sicherheitswesten sowie Leuchtbänder für Fahrer und Pferd.
Verhalten bei Gewitter:
Bei Aufziehen eines Gewitters sucht man in Gebäuden unterzukommen.
Verhalten nach einem Unfall:
Trotz Umsicht und Vorsicht kann es zu Unfällen kommen, daher Handy mit Telefonverzeichnis mitnehmen.
Bei einem Unfall sind möglichst gleichzeitig und von mehreren Personen folgende Maßnahmen zu setzen:
- Pferde einfagen,
- Verletzten Erste Hilfe leisten,
- Unfallstelle absichern (z.B. Verkehrsregler auf der Straße), Arzt, Rettung, Tierarzt verständigen, eigene Handynummer
bekanntgeben, Einweiser für Rettungsfahrzeuge aufstellen. Eine Notapotheke sollte in jeder Gruppe mitgeführt werden.
Das oberste Gebot bei einer Wanderfahrt ist jedoch "Sicherheit geht vor"
Fütterung
Wichtig ist eine Leistungsbezogene Fütterung während der Fahrt. Es wird zuerst getränkt und dann gefüttert, wobei dem mehrmaligen Nachtränken große Bedeutung zukommt.
Die Aufteilung der Futtermengen wird wie folgt vorgenommen:
- 2 Stunden vor der Abfahrt
- 1/4 der Tagesfuttermenge
- Mittagsrast (2 Stunden)
- 1/4 der Tagesfuttermenge
- Abend
- 1/2 der Tagesfuttermenge
Tipp 8:
Bei großem Schweißverlust muß unbedingt Viehsalz beigegeben werden, abends sollen Mineralstoffbeigaben verabreicht werden.
Erst das Pferd und dann der Fahrer:
Mit einem kranken Pferd ist eine Wanderfahrt rasch beendet. Von größter Wichtigkeit ist daher auch unterwegs die Pferdepflege und das Abwarten des Pferdes bei der Mittagsrast und
Nächtigung. Sehr wohltuend und gesund für die Pferdebeine ist das Furten. Dazu sollte man
jede Möglichkeit nutzen.
Tipp 9:
Trinkt das Pferd wenn es im Wasser steht, ist das nicht von Bedeutung sofern es nicht stark
erhitzt ist und gleich weitergefahren wird. Abends nach dem Einstallen ist das Fluidieren der Pferdebeine wichtig, die Geschirrlage wird
mit kaltem Essigwasser gewaschen.
Nach der Fahrt:
Erhöhte Futterzugaben während einer Wanderfahrt sind der Leistung angepaßt und nach der Heimkehr allmählich zu reduzieren. Rasche Futterumstellungen sind grundsätzlich zu vermeiden.
Die Geschirrpflege muß für jeden Wanderfahrer selbstverständlich sein.
KLEINER FAHRERKNIGGE
Verhalten in der Natur:
Der Wald hat Augen, das Feld hat Ohren, sagt ein altes Sprichwort.
In diesem Sinne muß sich der Wanderfahrer als "Partner in der Natur" dementsprechend verhalten:
- keine Schäden anrichten
- fremdes Eigentum unangetastet lassen
- sich jederzeit vollkommen korrekt verhalten
Saubere, angemessene Fahrkleidung gehört zum Erscheinungsbild eines Wanderfahrers. Sie prägt im Sinne der fahrerlichen Tradition das Image. Unzweckmäßiges, kostümhaftiges ist abzulehnen.
Kodex der Wanderreiter und
Wanderfahrer
- Verschaffe dem Pferd täglich hinreichend Bewegung, sorge für seine Bedürfnisse und bereite es für die Anstrengungen langer Fahrten vor. (Gewöhne es vor der Ausfahrt an die
Erscheinungen im Straßenverkehr und Gelände.)
- Sorge für hinreichenden Versicherungsschutz für Fahrer, Pferd und Gespann! Verzichte nicht auf solide Ausrüstung und eine feste Sturzkappe! (Kontrolliere vor der Ausfahrt den Beschlag und den verkehrssicheren Zustand von Geschirr und Wagen.)
- Fahre nur auf Wegen und Straßen; niemals querfeldein oder
querwaldein. (Respektiere die Eigentumsverhältnisse, wachsendes Futter und Brotgetreide!)
- Nimm Rücksicht auf die Jagdausübung und vermeide im Wald jede Beunruhigung des Wildes. (Begegne dem Jäger als Partner in der Natur zur Erhaltung der Artenvielfalt, vermeide Lärm, und beachte das Rauchverbot in Wald und Flur.)
- Vermeide Wege, welche durch anhaltende Regenfälle oder Frostaufbrüche weich geworden sind, da dadurch nachhaltige Schäden entstehen können. (Melde unaufgefordert Schäden, die immer einmal entstehen können, und regle entsprechenden Schadenersatz.)
- Begegne Kindern, Landwirten Jägern, Wanderern, Radfahrern, Reitern Gespannen und Kraftfahrzeugen immer nur im Schritt! (Passe das Tempo dem Gelände an, nimm Rücksicht auf andere Landschaftsnutzer.)
- Mache "Schwarzen Schafe", die gegen diese Regeln verstoßen, darauf aufmerksam und überzeuge Sie. (Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen.)
- Lasse im Freien angebundene Pferde niemals ohne Aufsicht, und kontrolliere jeden Behelfstall auf mögliche Gefahrenquellen! (Giftpflanzen, Nägel und freiliegende
Stromleitungen!)
- Sei freundlich und hilfsbereit zu allen und sei dem Pferd ein guter Kamerad! Schaffe den Reitern, Fahrern und Pferden Sympathien, keine Gegner! (Tausche bei örtlichen Jäger- Reiterstammtischen Informationen aus, und sorge für ein konfliktfreies Miteinander.)
Weitere Information zum Wanderfahren:
Landesfachverband für Reiten und Fahren in NÖ:
Tel: 02236/712 35, Fax 02236/733 77.
Damit haben wir Ihnen genug Tipps gegeben, um Ihre erste Wanderfahrt zu einem ungetrübten Erlebnis werden zu lassen und dazu wünschen wir
"Gute Fahrt"
Die "Wanderfahrtipps" wurden in Zusammenarbeit der Karl Amesbichler Gmbh
"horse & rider" mit dem Landesfachverband für Reiten und Fahren in Niederösterreich erstellt.
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