Hufrehe
In dieser, der Ersten, Ausgabe haben wir uns vorgenommen, das
Problem der Hufrehe ausführlicher zu behandeln. Immer wieder kommt es
vor, daß Pferdebesitzer mit diesem Problem konfrontiert werden und
dann große Mühe haben dieses Problem bei ihren Lieblingen in den
Griff zu bekommen.
Wir möchten hier für Sie die Zusammenhänge, und die
Gefahrenbereiche für eine Entstehung der Hufrehe, in übersichtlicher
Form zusammenfassen.
Hufrehe:
Hufrehe ist als eine Entzündung der Huflederhaut definiert worden.
Dies ist allerdings eine extreme Vereinfachung einer Folge
komplizierter, miteinander in Beziehung stehender Vorgänge, die zu
pathologischen Veränderungen verschiedenen Grades am Huf führen.
Neue Forschungsergebnisse führen zu der Annahme, daß es sich bei der
Hufrehe in Wirklichkeit um eine Erkrankung peripherer Gefäße
handelt. Diese äußert sich durch verminderte Durchblutung der
Kapillaren im Huf, durch ein beträchtliches Ausmaß von arteriovenösen
Shunts sowie ischämische Nekrose der Huflederhaut und Schmerzen.
Vereinfacht dargestellt könnte man die Rehe mit einem Daumennagel
vergleichen, auf den man sich mit dem Hammer gehauen hat. Es entsteht
ein Blutstau der enormen Druck und dadurch Schmerzen verursacht, und
erst wenn dieser Druck vermindert wird ( in unserem Beispiel durch
Anbohren des Nagels ) bessert sich der Schmerz. Die Schmerzen die ein
Pferd bei akuter Hufrehe zu erdulden hat, sind aber ungleich größer
als man es sich bei diesem vereinfachten Beispiel vorstellen könnte.
Das Frühstadium beginnt, wenn ein Pferd mit Faktoren in Kontakt
kommt, welche die für die Rehe verantwortlichen pathogenen
Mechanismen auslösen. Dieses Stadium endet mit dem Auftreten der
ersten Lahmheitssymtome.
Das akute Stadium beginnt mit dem Auftreten der Lahmheit und
erstreckt sich über einen unterschiedlich langen Zeitraum, abhängig
davon, ob bzw. wann es zu einer Rotation des Hufbeines kommt. (
Rotation ist das Absinken der Hufbeinspitze um einen Drehpunkt, den
das Hufgelenk bildet). Es können alle vier Hufe betroffen sein, in
den meisten Fällen erkranken aber nur die Vorderhufe. Zeichen
hochgradigen Schmerzes, pochende Pulsation der Zehenarterien und
vermehrte Wärme der Hufe sind in den meisten Fällen vorhanden.
Das chronische Stadium beginnt entweder, wenn die Symptome der
Lahmheit seit mehr als 48 Stunden bestehen oder wenn es zur Rotation
des Hufbeines kommt. Diese Phase kann sich über Wochen hinziehen oder
für das restliche Leben des Tieres bestehenbleiben. Kennzeichnend dafür
ist eine zeitweise oder dauernd bestehend bleibende Lahmheit und Veränderungen
im Wachstum der Hornwand. In Studien wurde festgestellt, daß alle
Pferderassen gleichermaßen betroffen sind, mit Ausnahme der Ponys die
stärker betroffen sind.
Zahlreiche, und miteinander in Verbindung stehende Faktoren, können
für die Auslösung einer Hufrehe maßgeblich sein. In der Folge
sollen die wichtigsten von ihnen näher beschrieben werden.
Fütterungsrehe nach Aufnahme einer toxischen Menge Getreide:
Diese Form der Hufrehe wird durch die Aufnahme einer für das Pferd
zu großen Menge an Getreide bedingt. Die Rehe - auslösende Menge an
Getreide ist unterschiedlich, da sich bei Pferden, die es gewohnt
sind, große Mengen Getreide zu fressen , eine gewisse Toleranz
einstellt. Als große Gefahr ist hier zu nennen, wenn das Pferd Zugang
zur Futterkammer bekommt und ungestört fressen kann. Die am häufigsten
beteiligten Getreidesorten sind Weizen, Mais und Gerste. Übermäßige
Aufnahme von Hafer ist in der Regel nicht so problematisch. Andere
Getreidesorten können die Erkrankung genauso herbeiführen, wie auf
Getreidebasis hergestellte Futtermittel, einschließlich Kaninchen-, Hühner-
und Schweinefutter.
Hufrehe nach Aufnahme großer Mengen kalten Wassers:
Die Aufnahme großer Mengen kalten Wassers durch ein überhitztes
Pferd, wird als eine mögliche Ursache der Hufrehe angesehen. Obwohl
dieses Phänomen nicht vollständig geklärt ist kann es möglicherweise
auf einer Gastroenteritis oder einer Kolitis beruhen. Überhitzten
Pferden sollte Wasser nur in kleinen Mengen gegeben werden, bis sie
abgekühlt sind.
Belastungsrehe ( Pflasterrehe ) :
Diese Form der Hufrehe ist das Ergebnis starker Erschütterung der
Hufe durch schwere Arbeit oder schnelle Bewegung auf hartem Boden.
Nicht trainierte Tiere sowie Pferde mit dünnen Hufwänden und dünner
Sohle sind für diese traumatisch bedingte Form der Hufrehe besonders
anfällig. Wenn die Ursache nicht abgestellt wird kann es zu starken
Prellungen des Hufbeines und zu Quetschungen der Sohle kommen.
Geburtsrehe:
Eine Stute kann diese Form der Hufrehe kurz nach dem Abfohlen als
Konsequenz einer Nachgeburtsverhaltung mit aufsteigender Infektion
oder infolge einer uterinen Infektion ohne Nachgeburtsverhaltung
entwickeln. Es handelt sich hier immer um eine schwere Form der
Hufrehe. Diese kann auch als Folgeerscheinung anderer systemischer
Infektionen auftreten
Hufrehe bei gutgenährten Tieren nach übermäßiger Aufnahme von
frischem Gras:
Diese Form der Rehe wird bei Pferden auf Sommerweiden häufig
beobachtet. Weiden mit viel Kleebesatz scheinen die Erkrankung eher zu
begünstigen als Grasweiden. Allerdings gibt es auch Berichte über
das Auftreten von Hufrehe auf Grasweiden, vornehmlich wenn sie sehr üppig
stehen.
Pferde, die an dieser Form der Hufrehe erkranken, sind in der Regel
sehr gut genährt und haben meist einen mächtigen, von Fettgewebe
gebildeten Kamm an der Oberlinie des Halses. Shetland-Ponys,
Welsh-Ponys und fette Pferde anderer Rassen neigen besonders zu dieser
Erkrankung.
Die Ursache dieser Form der Rehe ist nicht geklärt, Häufig erkranken
Pferde, welche diese Form der Hufrehe durchgemacht haben, im Winter
bei Kleeheufütterung erneut. Allerdings können gut genährte Pferde
die im Winter mit Kleeheu gefüttert werden an dieser Form auch zum
ersten Mal erkranken. Hormonelle Faktoren können mit beteiligt sein,
wenn das Gras und der Klee Östrogene enthalten, welche dann zu
Fettleibigkeit führen.
Hufrehe aufgrund anderer Ursachen:
Es gibt Berichte über Hufrehe bei Stuten, die absolut keinem der
oben genannten Faktoren ausgesetzt waren. In machen Fällen zeigten
die Stuten überhaupt keine Rosse, und wenn es gelang eine Rosse
herbeizuführen, waren sie auf Anhieb wieder gesund.
Hufrehe kann außerdem nach Viruserkrankungen des Verdauungsapparates
oder nach Gabe bestimmter Medikamente auftreten.
Bis heute sind noch lange nicht alle Möglichkeiten erforscht und die
Zusammenhänge bei einer Hufrehe noch nicht eindeutig dargestellt.
Symptome der Hufrehe:
Die Symptome der Hufrehe sind bei allen Formen ähnlich, sie werden
deshalb hier für das akute und das chronische Stadium beschrieben.
Von der akuten Hufrehe können beide Vorderhufe oder alle vier Hufe
betroffen sein. Wenn alle vier Hufe betroffen sind, liegt das Pferd häufig
und lange Zeit. Wenn das Pferd steht, stellt es die Hinterhufe weit
nach vorn und die Vorderhufe weit nach vorne unter den Körper ( Sägebockstellung
).
Man hat die Lahmheit in 4 Grade eingeteilt.
Grad 1:
In Ruhe hebt das Pferd ständig abwechselnd die Hufe. Im Schritt ist
keine Lahmheit zu erkennen, im Trab ist der Gang kurz und steif.
Grad 2:
Die Pferde gehen im Schritt zwar willig, aber steif vorwärts.
Aufheben eines Fußes ist ohne Schwierigkeiten möglich.
Grad 3:
Das Pferd bewegt sich äußerst widerwillig und wehrt sich heftig
gegen den Versuch, einen Fuß aufzuheben.
Grad 4:
Das Pferd weigert sich, sich zu bewegen. Nur durch Zwang ist es zum
Laufen zu bringen.
Hufwand und Saumbereich sind vermehrt warm. Die Pulsation der
Zehenarterien ist klopfend. Viele Pferde sind ängstlich, zeigen
Zittern der Muskulatur aufgrund der starken Schmerzen, eine erhöhte
Atemfrequenz und eine unterschiedlich stark erhöhte Körpertemperatur.
Bei der Hufzangenuntersuchung ist eine diffuse Empfindlichkeit der
gesamten Hufsohle festzustellen.
Zur chronischen Situation kommt es, wenn die Schmerzen länger als
48 Stunden lang anhalten, oder wenn die Hufbeinrotation einsetzt. Die
Rotation des Hufbeines geht einher mit einer Zusammenhangstrennung des
Aufhängeapparates. Diese kann in extremen Fällen bis zum Ausschuhen
führen.
Therapie:
Die Hufrehe wird als dringende Notfallsituation angesehen, und die
Behandlung zur Wiederherstellung der vollen Einsatzfähigkeit des
Tieres sollte vor Auftreten einer Hufbeinrotation einsetzen. Die
Behandlung zielt auf das Verhindern der Hufbeinrotation ab und sollte
innerhalb von zwölf Stunden nach Auftreten der ersten klinischen
Symptome der Hufrehe aufgenommen werden, da die ersten Anzeichen einer
Hufbeinrotation innerhalb von 48 Stunden röntgenologisch nachgewiesen
werden können.
Schnelligkeit ist also oberstes Gebot und es ist dringend angeraten
schnellstens den Tierarzt und einen guten Hufschmied zu rate zu
ziehen, um die geeigneten Maßnahmen so schnell als möglich durchführen
zu können.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit der Fa. Karl Amesbichler
GmbH "horse & rider" mit Hr. J. Tramberger, "Happy
Hoof", staatl. Gepr. Hufschmied.
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